• Emanuel Grammenos

Und schon wieder die Millenials

Ein Kommentar zu Corona, dem Klimawandel und Schuldzuweisungen.

Nach einigen Tagen des Corona Wahnsinns habe ich mir einen Nachrichtenstopp auferlegt, um nicht durchzudrehen. Ich habe im Home-Office gearbeitet, bin nicht mehr mit den Öffis gefahren und habe alle Treffen mit Freunden und Familie abgesagt. Kurz: Ich habe versucht die Empfehlung des RKI so gut ich kann einzuhalten.


Als ich dann nach einigen Tagen wieder ein bisschen auf meine gewohnten Nachrichtenportale schaue, hat sich etwas verändert. Plötzlich sind es nicht mehr die Zahlen über Neuinfektionen, die das Geschehen dominieren, plötzlich sind es (neben Rettungsansprüchen von großen Firmen) die Millenials.


Denn liebe Leute, die Millenials sind schuld!


Es ist schon verrückt was ich da lese. Da heißt es:


  • Junge Menschen gehen zu lax mit den Empfehlungen der Regierung um.

  • Junge Menschen sind nicht vorsichtig genug.

  • Junge Menschen seien die Hauptvirusträger (Zahlen aus Südkorea).

  • Junge Menschen würden sich nicht genug um die Alten und Kranken sorgen.


Wow. Das ist natürlich schon ein starkes Stück. Seit Jahren habe ich das Gefühl ein neuer waschechter Generationenkonflikt bricht an und die Corona-Situation scheint diesen sehr sichtbar zu machen.


Unter einem Artikel, der uns junge Menschen mal kurz verantwortlich macht für die Ansteckung der Alten und Kranken, lese ich jetzt Kommentare wie die Folgenden:



Da gibt es also eine Debatte über Schuld. Das ist schon interessant. Denn lasst uns mal (natürlich überspitzt) zusammenfassen. Durch einen Virus, der sich zu einer Pandemie entwickelt hat (übrigens nicht weil junge Menschen in Cafés gegangen sind), der hauptsächlich Menschen über 60 bedroht und eine Mortalitätsrate von 3,2% hat (in Deutschland übrigens 0,2%), wird weltweit mal kurz der Kapitalismus gestoppt.

Für eine Klimaerwärmung, die das größte Artensterben seit dem Aussterben der Dinosaurier bewirkt und laut WHO schon im Jahr 2002 für 150.000 Tote pro Jahr verantwortlich war wird.... ja, den Schülerinnen und Schülern vorgeworfen, dass Sie unverantwortlich sind, weil sie nicht in die Schule gehen.


Das ist sicherlich ironisch überspitzt. Natürlich bin ich mir bewusst, dass wir in einer solidarischen Gesellschaft aufeinander Acht geben sollten und darum habe ich auch zu Beginn geschrieben, wie ich mich verhalte. Aber eines muss ich doch sagen: Jetzt mit dem Finger auf junge Menschen zu zeigen, zu sagen sie seien verantwortungslos, seien unsolidarisch, würden die Alten gefährden ist schon in starkes Stück. Insbesondere wenn man gerne auf Kreuzfahrten geht, wenn man 4 Mal die Woche Fleisch ist, wenn man einen SUV mit Anti-Greta-Aufkleber fährt, wenn man mehrfach im Jahr in Urlaub fliegt und vor allem wenn man seine gesellschaftlich machtvolle Position (entweder als Teil einer wahlstarken Kohorte oder als Inhaber einer hierarchisch hohen Position in Wirtschaft und Politik) nicht nutzt um ALLES zu tun, solidarisch mit der jungen und der noch nicht einmal geboren Generation umzugehen.


Beyond #okboomer


Man könnte also die gesamte Situation der Vorwürfe gegen junge Menschen abtun mit einem #okBoomer. Besser fände ich es aber, wenn wir es quittieren mit einem Hinweis:

Seht mal wie wichtig es ist, dass wir uns ALLE solidarisch verhalten. Solidarität ist nämlich etwas was IMMER in beide Richtungen gehen muss. Wenn wir (Millenials) auf unsere Freiheitsrechte (wie viele 60-jährige gehen in Clubs?), unser Einkommen (wer sind denn die ganzen Selbstständigen in der Kreativ- und Kulturbranche? und wessen Jobs sind in der Folge von Corona bedroht?) und auf unsere sozialen Kontakte ganz selbstverständlich verzichten sollen, solltet Ihr (Boomer und darüber) mit gutem Beispiel vorangehen. Zum Beispiel in dem ihr mit der gleichen politischen Entschlossenheit gegen den Klimawandel vorgeht, wie gegen Corona. Dann können wir vielleicht endlich mit dieser Generationen-Konflikt-Scheisse aufhören und gemeinsam die Probleme der Welt angehen.


People say that I’m a dreamer...

47 Ansichten

© 2018 von Emanuel Grammenos